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 Gabie Kuen
"Wohnen Sie noch oder leben Sie schon?" - Gabi Kuen aus Riffian weiß, wovon sie spricht. Seit 2006 lebt sie mit ihrer Familie in einem Passivhaus. Das ist behaglich und vor allem energiesparend. Gabi Kuen hat ihre Erfahrungen schriftlich aufgezeichnet.
Wohnen Sie noch oder leben Sie schon?
Eine gute Frage, wenn man bedenkt, dass man mindestens ein Drittel seines Lebens zuhause verbringt. Meine Familie und ich wohnen jetzt schon seit drei Jahren in unserem Passivhaus in Riffian. Als wir mit der Planung begannen, wollten wir umweltbewusst und nachhaltig bauen und es sollte ein Klimahaus werden. Außerdem sollten die Baukosten so niedrig wie möglich gehalten werden. Das Wohnen sollte energiesparend sein, d.h. so gut wie keine Heizkosten, und als Baumaterial wollten wir vorwiegend Holz verwenden. Nach ausgiebiger Beratung mit einem Experten wurden alle Vorbehalte und Skepsis ausgeräumt und es stand fest, dass laut unseren Vorgaben für uns nur ein Passivhaus in Frage kam.
Das Grundprinzip eines Passivhauses ist es, Wärmeverluste zu vermeiden und die vorhandene Wärme zu nutzen. Beim Bau ist deshalb ein gutes Konzept das wichtigste, sowie das Miteinbeziehen aller Handwerker. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen sind die Voraussetzung für ein optimales Ergebnis.
Um die vorgeschriebenen Werte zu erreichen, ist unser Haus optimal isoliert, nach Süden ausgerichtet, hat eine kontrollierte Wohnraumlüftung (standardmäßig für ein Passivhaus) und die Rückgewinnung der Wärme aus dieser Lüftungsanlage. Das Haus hat eine effiziente Luftdichtheit und die Fenster haben eine Dreifachverglasung. Als Baumaterial wurde Holz verwendet, isoliert mit Holzfaserplatten. Auch im Innenausbau wurden Naturmaterialen verwendet, Kunststoffe waren tabu.
In unserem Haus herrscht ein optimaler Komfort: Eine gleichmäßige Wärme im ganzen Haus das ganze Jahr über (Schwankungen von maximal drei Grad), lüften braucht man nicht mehr, durch die kontrollierte Wohnraumlüftung ist immer frische, saubere Luft im Haus (gut für Allergiker). Schimmelbildung und angelaufene Fenster gibt es nicht. Außerdem fördert das Holz, so eine Studie, die Gesundheit, die Pulsfrequenz sinkt schon nach kurzem Aufenthalt in einem Holzhaus, man wohnt entspannt (Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind auch in Südtirol immer noch die häufigste Todesursache). Die Behaglichkeit in unserem Haus ist enorm.
Wir sparen Energie und das schon seit dem ersten Tag: Wir haben nur ein Heizsystem (nicht wie üblich drei bis vier, z.B. Gas, Sonnenkollektoren, Holzofen und Holzherd), und zwar einen Pelletsofen, der für die Warmwasseraufbereitung zuständig ist. Außerdem beheizt er, wenn nötig, an ganz kalten Tagen ca. 15 m² Fliesenboden im Erdgeschoss und zwei Wärmewände zu je 6 m² im 1. Stock, was völlig ausreicht, um eine konstante Temperatur von 22 Grad zu halten. Die Kosten für die Pellets betrugen für den Winter 2007/2008 ca. 130 Euro. Eine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wollten wir unbedingt vermeiden.
Mehrkosten beim Bau entstanden durch die Isolierung, die Lüftung und die Dreifachverglasung der Fenster. Dem entgegen stehen aber ebenso viele Einsparungen: Statt drei oder vier Kaminen nur einer, keine Heizkörper, minimale Fläche an Boden- und Wandheizung (meist ein großer Kostenfaktor beim normalen Bauen), Einsparungen bei den Folgekosten, wie Heizung und die Kosten für den Kaminkehrer. Nicht zu vergessen sind die Förderung durch das Land: 5% mehr Beitrag für den Bau eines Klimahauses und 30% Beitrag für die kontrollierte Wohnraumlüftung und die Pelletsanlage.
Nicht nur wegen der allgemein steigenden Energiekosten, sondern auch und vor allem wegen des optimalen Wohnklimas hat sich der Bau unseres Passivhauses als eine super Investition für unser Leben herausgestellt.
 Was auf den ersten Blick wie ein normales Reihen-Eckhaus aussieht, entpuppt sich bei einem Besuch hinter den Kulissen als Passivhaus.
Dem Haus ist seine Behaglichkeit fast anzusehen.

Zwei zentrale Elemente im Detail: Der (silberfarbige) Kamin ist nur minimal mit dem Haus verbunden, um im Winter nicht als "Wärmebrücke" die Substanz des Hauses abzukühlen. Die aufgestellten Holzbretter der dachartig oberhalb der Fenster angebrachten Verschattung verhindern im Sommer eine Überhitzung des Hauses, im Winter werden die Bretter entfernt, um die Energie der Sonne optimal zu nutzen.

Blick von der Seite: Für die Abschattung werden im Sommer quergestellte Bretter über den Fenstern angebracht.

Gabi Kuen ist begeisterte Passivhausbewohnerin.
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